Am 1. September 1939 überfällt die deutsche Wehrmacht das Nachbarland Polen. Der traurige Rest ist bekannt. Mehr als 60 Millionen Todesopfer fordert das Schlachten, mehr als sechs Millionen Juden werden von den Nazis in die Todeslager geschickt. Eine Reise ohne Wiederkehr. Auf den Tag 80 Jahre später wird in den bundesrepublikanischen Ländern Sachsen und Brandenburg gewählt. Mit einem zu erwartenden Ergebnis, das nachdenklich stimmen muss.

Denn die rechten Kräfte erreichen Ergebnisse im zweistelligen Prozentbereich. Es wird zwar immer gerne geleugnet, aber...

zumindest bei Landtagswahlen zeigt sich doch die Gesinnung der Bürger in den neuen Bundesländern. Der Rechtsruck ist bundesweit festzustellen, aber derartige Ergebnisse werden für die AfD doch zumeist in „Neufünfland“ erzielt. Aber wie lässt sich das erklären? Haben unsere Freunde im Osten nicht Jahrzehntelang unter einem Unrechts-System gelitten? Haben sie in der Schule beim Geschichtsunterricht nicht aufgepasst? Das Problem liegt ganz woanders und hat mit den einzelnen Regionen wenig zu tun. Es ist ein generelles Phänomen. Nicht nur in Deutschland. Denn diejenigen, die all das Grauen miterleben mussten, die in Bunker flüchteten, in rauchenden Trümmerbergen nach Verwandten suchten, selbst gegen „Engeland“ oder sonst wen ziehen mussten, sie sterben mehr und mehr aus. Es gibt kaum noch Zeitzeugen, bald gar keine mehr. Dann ist die Erinnerung an die zwölf schlimmsten Jahre deutscher Geschichte verblasst, scheinbar ewig weit entfernt. Und die Mehrheit fühlt sich sicher, so etwas kann ja gar nicht mehr passieren. Wie schnell es aber eben doch passieren kann, das zeigen oben erwähnte Wahlergebnisse. Ebenso sterben die Zeitzeugen auch in den Reihen der Politiker aus. Egal welcher Partei sie angehörten, eins einte doch die meisten von ihnen: Der unbedingte Wille, Demokratie zu schützen und zu leben. Heute hingegen wird selbst in Unionskreisen laut darüber nachgedacht, mit der AfD zu koalieren. Machterhalt um jeden Preis? So scheint es zumindest. Nie war die Rechte stärker als heute. Es gab zwar immer schon jene Strömungen, die NPD ist quasi ein Urgestein der deutschen Parteien-Landschaft. Aber doch zu nah an den alten Nazis, zu unverhohlen tritt zu Tage, wes Geistes Kind die neuen Nazis sind. Schönhubers Republikaner erzielten einige Achtungserfolge, verschwanden aber schnell in der Bedeutungslosigkeit. Die AfD geht da anders vor, viel subtiler. Sie spielt viel mehr mit den Ängsten der Menschen und macht sich die Bildungsferne vieler Anhänger geschickt zu Nutzen. Geschönte Wahrheiten, eigene Interpretationen von Nachrichten, vermeintlich fundiertes Wissen, das sind die Betäubungsmittel, das AfD-Opium fürs Volk.

Es liegt nun an uns Demokraten, diesen rechten Wahn zu stoppen. Den neuen Nazis Einhalt zu gebieten. Sonst werden wieder Nachbarn von uns verschwinden, denunziert von anderen guten Volks-Deutschen. Dann werden es wohl Muslime sein, die in Lagern enden, man will es sich nicht ausmalen. Und wer weiß, ob das Ende nicht wieder in Trümmern liegt. Doch dann wird es wohl kein neues Deutschland geben. Und diese Botschaft muss Europa und den Rest der Welt ebenso erreichen. Stopp dem Faschismus. Alle Demokraten müssen ihre Stimme erheben. Ich tue es. Und Sie?

Symbolfoto Wahl: berlinreporter.Haehnel