Man hat uns belogen. Jahrelang. Schon als Kinder, und das ist das Infame, hat man uns frech ins Gesicht gelogen. Landluft sei gesund, sagten sie. Der Umgang mit Tieren wäre gut für uns, sagten sie. Wo die Rinder noch auf saftigen Wiesen weiden würden, da wäre die Welt noch in Ordnung, sagten sie. Und jetzt kommt heraus: Alles gelogen, was sie sagten.
Rindviecher produzieren beim Furzen soviel Methan, dass man tot umfallen könnte. Die Haltung des Pferdes verursacht so viele Schadstoffe, wie ein Auto auf 21.500 Kilometern Fahrt. Unsere besten Freunde, die Hunde: Gaaaaanz miese Ökobilanz. Es wird kommen, was kommen muss: Weg mit den Viechern! Hamster ab durchs Klo, Hunde in Tötungsstationen, Rinder und Schweine massenweise in die Schlachthäuser. Achso, machen wir ja schon, egal, wir rotten das ganze Viehzeug aus. Pferde zu Kernseife, das ist die Lösung. Und wenn die letzte Sau geschlachtet ist, dann machen wir es eben wie die Fruitaner (oder wie die sich nennen), dann lutschen wir so lange einen Pfirsischkern, bis wir satt sind.

Hysterie macht sich breit. Wie immer, wenn den deutschen Michel schlechte Nachrichten erreichen. Dann wollen wir bis ins allerkleinste Detail alles wissen, regeln, ordnen. Aber nicht etwa nach logischen Kriterien, nein, wir regeln das auf dem Rücken des kleinen Mannes. Wie bitte? Wir sollen nach den Buchstaben des Gesetzes die Verursacher für Schummel-Software bestrafen? Die Auto-Industrie aburteilen? Seid Ihr irre? Nein, wir bestrafen den eh schon angeschissenen Autofahrer und verbieten ihm, in bestimmten Zonen zu fahren. Wie kann man auch so blöd sein, und sich ein fehlerhaftes Auto andrehen lassen. Dummheit muss nun mal bestraft werden.
Und was soll das bitte mit den Kreuzfahrtschiffen? Nur weil die so viele Schadstoffe ausstoßen, dass es kaum mehr messbar ist, man kann aber auch sehr kleinlich sein. Die Leute wollen in die Karibik schippern, grünes Meer und weiße Strände genießen. Sollen die etwa hinschwimmen? Wär ja doof, sich mit einem Gewerbe anzulegen, das Millionen und Abermillionen an Steuern abwirft. Nein, nein... da suchen wir das Übel doch lieber da, wo keine Gegenwehr zu erwarten ist. Bei Pferden, Hamstern und Rindviechern.

Foto: berlinreporter.Haehnel