Silje Bjerke und Olaf Koppe in Aktion.
Foto: Lißner


Hnefatafl - Gesundheit! Was sich anhört wie ein kreativer Nieser, ist in Wirklichkeit etwas ganz Anderes. Hnefatafl ist ein skandinavisches, schon bei den alten Wikingern bekanntes Brettspiel, hnefi ist im Skandinavischen ein Wort für die Königsfigur, tafl entspricht dem deutschen Tafel oder Brett, in Lappland ist das Spiel mit ähnlichen Regeln auch als Tablut bekannt.

Anders als beim Schach treten nicht zwei Heere gegeneinander an, um den König des anderen mattzusetzen, sondern der König der weißen Partei muss sich aus der Mitte des Spielbrettes wie in "Herr der Ringe" in eine der vier Fluchtburgen an den Ecken in Sicherheit bringen, bevor die vier Trupps aus schwarzen, gleichartigen Figuren ihn gefangennehmen können. Schafft das der König, so gewinnt Weiß, anderenfalls Schwarz. Remis ist selten.

Was hat das mit Berlin zu tun? Spielen das nicht nur Norweger? In Tromsö, wo die Sonne...

im Winter mehrere Monate lang nicht aufgeht, gibt es sogar einen Verein, in dem allein dieses Spiel gespielt wird. Des Rätsels Lösung ist das Internet; hier treffen sich Hnefatafl-Spieler aus aller Welt und der amtierende Online-Weltmeister - kommt aus Berlin! Arne Roland, 19, Mathematik-Student, auch im Schach beim VfB Hermsdorf aktiv, konnte sich am Rande der 8. nd-Damen-Schachgala am Donnerstag, 28.11.2013, im Verlagsgebäude des Neuen Deutschlands am Franz-Mehring-Platz über großes Interesse an seinem Lieblingsspiel freuen, er musste sogar Autogramme geben!

Silje Bjerke aus Norwegen, eine der vier Kontrahentinnen der Schachgala um die deutsche Spitzenspielerin, die Großmeisterin Elisabeth Pähtz, trat zu einem Hnefatafl-Showkampf gegen den Verlagsleiter des Neuen Deutschlands, Olaf Koppe an, Arne fungierte als Schiedsrichter. Und das Brett war von Zuschauern dicht umlagert, die das Wikingerschach faszinierte, auch deswegen, weil dieses alte Spiel dennoch nur wenig von Theorie erforscht ist und durch die Anzahl der möglichen Züge der Figuren viel Raum für Kreativität und Spielwitz lässt.

Koppe war begeistert, überlegt schon, 2014 sogar ein Turnier in diesem Spiel auszurichten. Er hatte mit dem Erfolg gar nicht gerechnet, sollte Hnefatafl doch allein ein Schlaglicht darauf werfen, was die Skandinavier schon zu Wikingerzeiten in dieser oder ähnlicher Form spielten, viele Jahrhunderte, bevor ein Norweger, Magnus Carlsen, kürzlich Schachweltmeister wurde und bevor die Schach-Olympiade in Tromsö ausgetragen wird vom 1.-15.8.2014.

Ebenfalls vor Ort war der Berliner Skandinavistik-Professor Kjetil Jakobsen. Er trug mit Arne Roland dann mehrere Partien aus, avancierte quasi zum WM-Herausforderer, wenn man so will, gewann sogar ein Mal, musste aber die Überlegenheit seines jungen Gegners anerkennen.

Wer es ebenfalls einmal ausprobieren möchte, dem sei das Internet mit der Hauptanlaufadresse empfohlen:
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