Das ist er: der neue Mann auf der eisernen Trainerbank heißt Norbert Düwel und ist der ehemalige Assistent von Mirko Slomka bei Hannover 96.                             Foto: berlinreporter.Obuchoff


Die Überraschung war gelungen. Wie ein Staatsgeheimnis wurde der Name gehütet. Und als Norbert Düwel heute kurz nach 11 Uhr die Eisern Lounge im Stadion An der Alten Försterei betrat, schaute der Riesenpulk an Journalisten, Fotografen und Kameraleuten ziemlich irritiert drein: Wer ist dieser Mann?

Es stellte sich dann ein sympathischer Mensch vor, der sofort ein Geständnis machte: „Mein Dialekt verrät, dass ich kein gebürtiger Berliner bin.“ Norbert Düwel wurde vor 46 Jahren in Altötting geboren. Der Ort liegt in Oberbayern, etwa 90 Kilometer östlich von München. Kelten, Römer, Bajuwaren haben dort ihre Spuren hinterlassen – so jedenfalls belegen es Funde auf Urnenfeldern, die von Archäologen auf ein Alter von 1250 bis 750 Jahre vor Christi geschätzt werden. Inzwischen gilt Altötting auch als Wallfahrtsort, der von drei Päpsten besucht wurde: 1782 von Pius VI., 1980 von Johannes Paul II. und natürlich kam 2006 auch Benedikt XVI hierher. Immerhin wurde der nur elf Kilometer weiter, in Marktl, geboren.

Alle diese Geschichten spielten indes weniger eine Rolle, dass die Trainerfindungskommission des eher preußisch geprägten Köpenicker Kickerklubs dem Bayern einen Arbeitsplatz für die kommenden drei Jahre anbot. Schließlich hatten sich insgesamt...

42 Bewerber gefunden, die nach dem Abgang von Uwe Neuhaus die frei gewordene Stelle des Cheftrainers zu besetzen gedachten. „In Norbert Düwel  haben wir einen hervorragend ausgebildeten Fußballlehrer gefunden, der uns sowohl mit seinen klaren Vorstellungen von Fußball, als auch menschlich überzeugt hat“, sagt Union-Präsident Dirk Zingler.

Düwel selbst, der sich froh und glücklich zeigte, „bei diesem begeisternden Club und der für jeden Trainer großartigen Adresse“ künftig wirken zu dürfen, sieht sich als kommunikativen Trainer mit hoher Sozialkompetenz. Er mag modernen, variablen und zielstrebigen Tempofußball. „Ich bin ein Fan des englischen Fußballs, verachte aber auch nicht die bekannten deutschen Tugenden wie Einsatzbereitschaft und Disziplin.“

Nico Schäfer, kaufmännisch-organisatorischer Leiter bei Union, glaubt, dass Düwel ein gutes Händchen bei der Auswahl und im Umgang mit den Spielern haben wird: „Er geht auf die Menschen zu und kann seine Vorstellungen verständlich für jeden vermitteln. Und überhaupt war er einer der ganz wenigen, die mit einem klaren Konzept zu uns kamen.“

Seine fachliche Ausbildung erhielte Norbert Düwel an der Sportwissenschaftlichen Fakultät der Technischen Universität München, die er als Dozent für Fußball und Fitness/Rehabilitation abschloss. 2007 erwarb er die UEFA Pro Lizenz beim Schweizer Fußballverband und schloss diese Ausbildung als Jahrgangsbester ab. Danach konnte er bei verschiedenen renommierten Klubs Erfahrungen sammeln. Er hospitierte bei Bayern München, Ajax Amsterdam, dem FC Basel, bei Schalke, Inter Mailand und Manchester United.  Dort arbeitete Düwel unter Alex Ferguson vier Jahre: erst als internationaler Scout, dann als Gegneranalyst für Champions-League-Spiele.

Ab 2010 saß Düwel bei Hannover 96 als Co-Trainer neben Mirko Slomka auf der Bank. So hatte er gewiss einen beträchtlichen Anteil am erfolgreichen Agieren des Vereins in jenen Jahren.
Ab dem 25. Juni wird mit Norbert Düwel also ein echter Teufelskerl zum Trainingsauftakt auf dem Rasen an der Alten Försterei stehen – zum ersten Mal als Cheftrainer. Bis dahin indes hat er noch einiges zu tun: Die Planung der Kader und die Vorbereitung der neuen Saison. Es warten also viele Gespräche mit Spielern, mit Beratern sowie mit neuen Kandidaten für die Mannschaft auf den Trainer. Für die Familie, seine Frau und die drei Kinder, die noch in Hannover wohnen, wird wohl nur sporadisch Zeit bleiben. Aber dafür hat er ja nun einen Arbeitsplatz in unserem Wohnzimmer – an der Alten Försterei.