...dann hängt der Wettergott schon mal einen Regenbogen über das Stadion. So geschehen gestern an der Alten Försterei. Mit einer aufwendigen Choreografie verabschiedete sich das eiserne Publikum des 1. FC Union von fünf seiner Akteure. Neben dem Trainer Uwe Neuhaus, der mehr als sieben Jahre hier an der Seitenlinie das Zepter schwang verließen mit Jan Glinker, seit 13 Jahren Torwart, Christian Stuff, immerhin acht Jahre eiserner Abwehrturm im Klub, Patrick Kohlmann, nicht weniger eisenharter Außenverteidiger auf der linken Seite und sein Pendent auf der rechten, Marc Pfertzel den Verein. Vor Beginn des letzten Saison-Spiels gegen den TSV München 1860 also schon ein emotionaler Höhepunkt, der den einen oder anderen durchaus eine Träne verdrücken ließ.
Nach all' den Verdiensten doch irgendwie schade? - peinlich? - merkwürdig? - schwierig? Trainer Uwe Neuhaus (r.) hat seine Schuldigkeit getan... und Präsident Dirk Zingler ist das alles doch irgendwie  unangenehm! Alles Gute - für alle!       Foto: Obuchoff


Die sportliche Begegnung kann in wenigen Worten zusammengefasst werden: Wie meist gegen diesen von den Unioner noch nie besiegten Gegner ging es von Beginn an eisenhart zu. Aber zunächst betraf dies vor allem die Gäste, die nicht zimperlich mit den...

rot-weiß gekleideten Hausherren umgingen. Besonders Sören Brandy spürte das immer wieder. Trotzdem hatten er und Björn Jopek gleich gute Chancen, die aber der Mann in der grauen Schlabberhose, Gabor Kiraly im Tor der Sechziger vereitelte. Dafür schlugen die Münchner Löwen eiskalt bei ihrer ersten Chance zu. Nach einer Ecke von Moritz Stoppelkamp gab Grzegorz Wojtkowiak dem Ball die entscheidende Richtungsänderung, um Glinker im Uniontor keine Chance zum Eingreifen zu geben und im langen Toreck einzuschlagen.

So ging es dann auch in die Pause, obwohl die Gastgeber überlegen spielten und noch manche Chance erarbeiteten. Nach dem Wiederanpfiff wäre beinahe das 2:0 für die Gäste gefallen. Yuya Osaka, der flinke Japaner in Diensten des TSV, tauchte nach einer guten Kombination frei vor Glinker auf. Der jedoch hielt die Kugel sensationell sicher mit beiden Händen fest. Und nicht lange danach, genau in der 49. Minute, war es Kohlmann, der sich sein Abschiedsgeschenk selbst überreichte. Entschlossen zog er aus etwa 18 Metern mit seinem eigentlich schwächeren rechten Fuß ab und donnerte den Ball am sich vergeblich streckenden Kiraly in den rechten Torwinkel.

Da Brandy seine beiden folgenden Chancen leider nicht nutzen konnte – ein Kopfball sowie ein Fallrückzieher strichen knapp vorbei – blieb es bei dem 1:1 bis zum Schlusspfiff. Die folgenden Minuten wurden vor allem die scheidenden Spieler sowie der Trainer gefeiert. Uwe, Uwe hallte es immer wieder durch das Stadion. Es flogen Trikots auf die Tribünen, kleine Geschenke von Zuschauern wechselte in die Hände der Verabschiedeten. Christian Stuff hielt plötzlich eine Statue seiner selbst in der Hand. The greatest Stuffi war darauf geschrieben. Ein Mann mit grüner Monstermaske hatte sie dem 1,99 messenden Abwehrrecken überreicht. Auch ein riesiges Banner des Spielers, der einst bei Borussia Friedrichsfelde mit dem Kicken begann, hing an der Haupttribüne. „Das müssen ein paar Fans aus meiner Wohnung entführt haben“, meinte Stuff schmunzelnd.

Sportlich brachte das letzte Spielergebnis dieser Saison Union mit Rang neun den Platz haargenau in der Mitte der Tabelle. Das ist nicht besonders berauschend, indes bei echten und eisernen Fans nicht das Wichtigste in ihrer Fußballwelt. Nicht umsonst dankten sie besonders Trainer Neuhaus für seine Treue und insgesamt schöne Zeit. Immerhin hat er aus der Mannschaft ein stabiles Zweitliga-Team geschmiedet. Wer immer ihm nachfolgt, muss schon ein dickes Brett bohren, um da erfolgreich anzuschließen und die Mannschaft vielleicht zu Höherem zu führen. Das ist nun für viele die spannende Frage. Was man hatte, weiß man. Was kommt ist ungewiss.


Hajo Obuchoffs große Saison-Abschiedsbilderschau:
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