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Genau in dem Moment als im Stadion An der Alten Försterei Uwe Hünemeier aus etwa 16 Metern mit einem Sonntagschuss – diese abgedroschene Floskel muss an diesem Freitagabend mal wieder ausgegraben werden – den 1:1 Ausgleich für den SC Paderborn 07 erzielt, beginnt der Himmel über Köpenick zu weinen. Es ist die 89. Spielminute. Und auch die Nachspielminuten bringen  wieder keinen Sieg für die Eisernen des 1. FC Union. Seit nunmehr vier Spieltagen wartet der treue Anhang der Köpenicker Kicker auf einen vollen Erfolg.


Während die Paderborner auf dem Platz tanzen, schleichen sich die Spieler in Rot-Weiß mit hängenden Köpfen in die Kabine. „Es fühlt sich wie eine Niederlage an, so in der letzten Minute noch den Ausgleichstreffer zu bekommen“, sagt etwas später Sören Brandy, der in der 53. Minute mit einem Kopfball das 1:0 erzielt hatte. Sein Trainer Uwe Neuhaus spricht dann auch von einer riesigen Enttäuschung. Indes auch er weiß, dass die Gäste, die nun erst einmal auf dem dritten Tabellenplatz rangieren, insgesamt durchaus ebenbürtig waren. Aber mit einem Sieg hätte Union seinen heutigen Gegner sogar überflügeln können. „Wir geben nie auf bevor der Schlusspfiff ertönt“, sagt nebenan der Glücksschütze Hünemeier, der vielleicht sogar Kandidat für das Tor des Monats werden könnte.
Zu Beginn des Treffens vor...

18.820 Zuschauern – vielleicht 500 stehen im Gästeblock – zeigen die Paderborner, warum sie nun bereits seit Wochen in der Tabellenspitze mitmischen: Mit guten Kombinationen und sicherer, harter Abwehr drücken auf das Tor der Gastgeber. Vor allem der pfeilschnelle Süleyman Koc bringt immer wieder Gefahr. In der 6. Minute landet sein Schuss im Außennetz und in der 34. Minute kann Daniel Haas, der Union-Torhüter, in letzter Not vor dem durchgebrochenen Stürmer retten. Erst ab etwa 20 Minuten haben sich die Hausherren auf den unbequemen Gegner eingestellt. Eine recht gute Kopfballchance vergibt Brandy nach einem Freistoß von Torsten Mattuschka knapp.

Nach der Halbzeitpause kommt Union mit viel mehr Elan auf das Spielfeld. Jetzt brennt wirklich der Rasen an der Wuhlheide. Niemand zieht zurück. Dabei machen manche Paderborner den Eindruck als üben sie Landeanflüge auf dem BER. Schiedsrichter Christian Dingert, der für die TSG Burglichtenberg pfeift und dem der "Kicker" im August beim Treffen Union gegen die Fortuna eine glatte Fünf gab, scheint sowohl die Flugeinlagen als auch die oft harten Attacken der Gäste zu tolerieren. Dafür pfeift er jede kleine Berührung oder unklare Situationen gegen die Gastgeber. Mehr als erneut eine Fünf wird er wohl auch diesmal nicht erreichen. Wie der Mann Bundesliaga, ja sogar internationale Spiele pfeifen kann, bleibt wohl ein Rätsel.

Aber er ist gewiss nicht schuld daran, dass die Unioner nicht nachlegen können. In der 58. Minute scheitert Mario Eggimann mit einem Kopfball – wieder hatte „Tusche“ aufgelegt – am glänzend reagierenden Lukas Kruse im Gästetor. Auch Damir Kreilach, der kurz darauf mit einem exzellenten Slalomlauf durch die Paderborner Abwehr spaziert, findet in Kruse seinen Meister. Schließlich ist es Christopher Quiring, der herrlich von Dausch freigespielt abzieht. Sein Schuss, von Kruse wieder leicht abgelenkt, kracht an den Pfosten.

Und als viele glauben: Okay, die 89. Minute läuft, nun halten wir das knappe 1:0 – da passiert es. Ein Fehler im Kampf um den Ball. Drei Unioner starren auf das Spielgerät, aber Hünemeier spielt es nach vorn, bedient Koc und der legt es seinem Kollegen in den Lauf. Das war’s dann.

„Es reicht wohl einfach nicht für ganz oben“, meint Winne, einer meiner Stadionbekannten resigniert.

Die Union-Bilderschau von Hajo Obuchoff:
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