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So sieht Freude aus! "Eiserner Karneval" geht auch ohne Kamelle...
Fotos (2): berlinreporter.Obuchoff


Sie kamen verkleidet als Prinzen, Scheichs oder Clowns. Eine große Banane schwebte über den Gästeblock . Aber der Aschermittwoch kam für die Freunde des Düsseldorfer Karnevals schon an diesem Sonnabend, spätestens als um 14.50 in der 95. Minute Uhr Steven Skrzybski das Spielgerät zum 3:1 Schlussergebnis ins Netz schob. Nun feierten die Eisernen – ihren ersten Sieg nach acht sieglosen Spielen – und noch eine Hauptperson, die gar nicht mitgespielt hatte: Damir Kreilach. Aber der Reihe nach.

Der vergangene Sonnabendnachmittag wurde so wie ihn die meisten auf den ausverkauften Rängen im Köpenicker Stadion An der Alten Försterei ersehnt hatten. Nach den vergangenen schwachen Spielen gingen die eisernen Hausherren wirklich eisern zur Sache. Und das gegen den Spitzenreiter aus Düsseldorf, der ja als Inkarnation des Ekelfußballs gilt. Trainer Friedhelm Funkel hat es geschafft, seine Angestellten als Zerstörer auszubilden, die oft mit nur mit einer Chance ein Match entscheiden. Tatsächlich schien das wieder zu gelingen, nachdem einer der Schienbeinquäler Fortunas Skrzybski in die Rasenfläche gerammt und die Gäste ihre einzige Chance im ganzen Spiel zum Führungstor nutzten. Normalerweise hätte dies...

...gegen das Union der vergangenen Wochen gereicht, um in Karnevalslaune nach Hause zu fahren. Indes, wie erwähnt, sahen wir auf dem Rasen wieder Eiserne Unioner, die eine Forderung der Fans „Kämpfen und siegen“ verwirklichen konnten. Egal wie oft sie fielen, egal wie oft Fouls nicht abgepfiffen wurden – sie standen wieder auf. Das will das Publikum an der Alten Försterei sehen, das wurde nun wieder geboten. Dabei fehlten vier Spieler wegen einer grippalen Infektion. Und der oft gescholtene Kapitän Felix Kroos spielte seit langen wieder sehr gut, nicht allein technisch, sondern auch kämpferisch. Und das, obwohl auch vom Virus geschwächt. Genauso Oldi Michael Parensen, der wieder einmal Toni Leistner ersetzen musste und eine unglaubliche Ruhe in die Abwehr mit dem jungen Marvin Friedrich brachte. Beide waren sogar im Angriff gefährlich. Aber auch Akaki Gogia, lange als Falschgeld bezeichnet, ackerte und war entscheidend am 2:1 durch Sebastian Polter beteiligt. Ein Beispiel an Kampfgeist und Torgefährlichkeit: der von Keller auf die Bank gesetzte Steven Skrzybski. Mit zwei Toren war er der Matchwinner. Dabei hebt er nicht an: „Dieser Sieg tut unglaublich gut. Unsere Mentalität war riesig. Alle haben an einem Strang gezogen. Genau diese Einstellung brauchen wir.“ Auch Trainer André Hofschneider konnte nach dem Schlusspfiff zum ersten Mal verschmitzt vor sich hinlächeln: „Unsere Mannschaft hat eine tolle Moral gezeigt und sich belohnt.“

Wenn darauf aufgebaut wird in den nächsten Wochen wird dies auch einen freuen, der am vergangenen Sontag – obwohl nicht aktiv – auch im Mittelpunkt des Unionpublikums stand: Damir Kreilach. Seitdem der Kroate 2013 aus Rijeka zu Union kam, zählt er zu den Identifikationsfiguren der eisernen Fans. Nun sagte er Good bye. Kreilach wird künftig für Real Salt Lake City in der höchsten US-Fußballklasse der Major League Soccer spielen. Der eisenharte Mittelfeldspieler – am Sonnabend noch unter Tränen – wird den Werdegang ab nun aus großer Distanz verfolgen. Seine sportliche Distanz war bereits in den vergangenen Wochen gewachsen, als er meist auf der Ersatzbank saß. Trotzdem ein überraschender und schmerzender Abschied. So etwas wie bei Union wird er wohl nie mehr erleben. Ein eiserner Unioner wird er immer bleiben.

Sollte Kreilachs Ex-Team den Geist dieses Spiels gegen Fortuna in die nächsten Wochen mitnehmen, dürfte uns nicht bange sein. Es sind noch zwölf Spiele bis zum Saisonende. Bis dahin wird noch ein ganze Menge passieren. Inzwischen zeigen auch andere Teams Schwächen: Ingolstadt, Kiel oder Sandhausen. Die zweite Liga ist eine enge Kiste. Nur wer die besten Reserven mobilisieren kann, wird am Ende Karneval feiern können.


Die Redaktion kennt keinen Verein, von dem ein Abschied sooooo schwer fällt. Schniiiiiieef!