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Was länger währt, wird ... zum "Weihnachtsgeschenk": Am Donnerstag wird um 9 Uhr die neue Straßenverbindung zwischen der Rummelsburger Landstraße in Oberschöneweide und der Köpenicker Landstraße in Baumschulenweg eingeweiht. Sowohl diese Straße als auch die in ihrem Verlauf neu entstandene Spreebrücke tragen künftig den Namen Minna Todenhagen und erinnern damit an eine verdienstvolle Sozialpolitikerin aus unserem Bezirk.
Der Vorschlag zur Benennung geht auf einen BVV-Beschluss aus dem Jahr 2011 zurück, der von Bezirksverordneten von SPD, Linken und FDP initiiert worden war. Die Umsetzung wird jetzt durch die Fertigstellung der Straße möglich. Bezirksbürgermeister Oliver Igel, der damals zu den...

...Initiatoren der Namensgebung gehörte, freut sich über die Präsenz von Minna Todenhagen im öffentlichen Straßenraum: “Mit der Benennung einer übergeordneten Straßenverbindung und einer Brücke wird die herausragende Persönlichkeit von Minna Todenhagen dauerhaft gewürdigt. In den Verkehrsmeldungen und auf den Navigationsgeräten wird der Name ebenfalls präsent sein.”
Minna Todenhagen (14.08.1880 – 16.11.1950) gehört neben Marie Juchacz, Maria Jankowski, Clara Bohm-Schuch oder Elfriede Ryneck zu den bedeutenden Frauen in der Sozialpolitik, die eng mit unserem Bezirk verbunden sind. Minna Todenhagen wurde 1880 in Greifswald geboren und kam im Alter von 20 Jahren nach Berlin, um hier die Handelsschule zu besuchen. Im Anschluss war sie als kaufmännische Angestellte und später als Bürovorsteherin tätig. Aus einem sozialdemokratisch geprägten Elternhaus stammend trat Minna Todenhagen 1912 in die SPD ein, wo sie 1918 Parteisekretärin des Bezirksverbandes Berlin wurde. 1919 engagierte sie sich als Gemeindevertreterin in Treptow und ein Jahr später wurde Minna Todenhagen, nach Gründung von Groß-Berlin, als Bezirksverordnete in Treptow gewählt. Von 1925 bis 1932 wirkte sie als Berliner Stadtverordnete und kümmerte sich hier vor allem um Jugend- und Kinderfürsorge sowie Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik.
Maßgeblich war Minna Todenhagen am Aufbau der Wohlfahrtsorganisationen in der Stadt beteiligt. Bereits 1919 gehörte sie zu den Mitbegründerinnen der Arbeiterwohlfahrt, wo sie in den Folgejahren im Hauptvorstand tätig war und das Sekretariat führte. Minna Todenhagens besonderes Fürsorgebedürfnis galt den Kindern. Aufgrund der knappen finanziellen Mittel der Arbeiterwohlfahrt organisierte sie 1924 die erste AWO-Lotterie zugunsten eines Kinderheims. Zudem baute sie die Schulung der Helferinnen und Helfer auf, um die Arbeit auf eine breite Basis zu stellen. Publizistisch machte sie ihre fortschrittlichen Ideen im Organ der sozialdemokratischen Frauenbewegung “Die Gleichheit” in mehreren Aufsätzen bekannt, in denen sie unter anderem für die Trennung von Kirche und Staat und die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen am gesellschaftlichen Leben eintrat. Zwischen 1929 und 1933 arbeitete Minna Todenhagen als pädagogische Dezernentin im Landeswohlfahrts- und Jugendamt der Stadt Berlin. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten wurde sie aus ihren Ämtern entfernt und unter Polizeiaufsicht gestellt. In der Kriegszeit hielt sie Kontakt zu Gleichgesinnten und leistete Hilfe für Untergetauchte. Nach dem Hitler-Attentat 1944 wurde sie für einige Wochen in Haft genommen. Infolge des Neubeginns nach dem Krieg war sie als Beisitzerin im AWO-Landesvorstand tätig und wirkte von 1946 bis 1948 wieder als Stadtverordnete. Minna Todenhagen verbrachte einen Großteil ihres sozialen und politischen Lebens im damaligen Bezirk Treptow, wo sie zeitlich am längsten im Ortsteil Johannisthal wohnte.