Nachdenklicher Coach - Ist es die extrem enge Tabelle oder ist die Truppe dann doch eher nicht erstligareif? 
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Drei Spieltage vor dem Ende der Zweitligasaison befinden sich die Kicker aus Köpenick immer noch auf gefährlicher Gratwanderung. Der scheinbar sichere Tabellenrang neun sowie 41 Punkte hätten normalerweise den sicheren Hafen für den Klassenerhalt bedeutet. Die letzten Spiele wären eine relativ lockere Angelegenheit gewesen. Hätte, wenn und aber. Aber diese Saison ist eben nicht normal. Sie ist der blanke Wahnsinn. Zwischen Rang fünf (Regensburg) und dem Abstiegsrelegationsplatz 16 (St. Pauli) liegen nur sieben Punkte. Selbst die mageren 34 Zähler des Vorletzten Darmstadt sind für den Erstligaabsteiger noch kein Grund aufzugeben. Neun Punkte sind noch zu vergeben. Da ist vieles möglich. Nur am Abstieg des 1. FC Kaiserslautern (29 Punkte) zweifelt wohl niemand mehr. Obwohl – rein mathematisch gäbe es auch für die Lauterer noch Hoffnung. Es scheint auf jeden Fall, dass nun...

Diese Losung auf der Waldseite im Stadion an der Alten Försterei nach dem 0:0 des 1. FC Union am vergangenen Sonnabend gegen den MSV Duisburg wäre noch vor wenigen Wochen als Absurdität aufgefasst worden. Und zu Beginn der laufenden Spielzeit, als man sich mit vollem Ernst den Aufstieg in die erste Bundesliga zum Ziel gestellt hatte, gar als verfrühten und dummen Aprilscherz. Nun im wirklichen April ist all dies bittere Realität. Fünf Spieltage vor dem Ende der Saison bewegen sich die Eisernen auf dünnem Eis. Der Vorsprung von drei Punkten kann im warmen Frühlingswind sehr schnell schmelzen.
Ein, zwei Niederlagen und das Team von Trainer André Hofschneider hängt am seidenen Haar vom Barte des Propheten.

Und vor allem in Anbetracht der Tatsache, dass es in den verbliebenen Spielen mit St. Pauli, Heidenheim, Darmstadt und Dresden noch gegen vier direkte Gegner aus dem Tabellenkeller geht, die sich natürlich mit genauso großer Motivation wie die Köpenicker gegen den drohenden Abstieg wehren. Und auch der fünfte Rivale, der aktuelle Tabellensechste VfL Bochum kann sich nach erfolgreicher Aufholjagd in den vergangenen Wochen auf seinen bislang erzielten 40  Punkten nicht ausruhen.
Die Liga zwei des deutschen Fußballs hat derzeit...

Das lange Gesicht eines Trainers: Bei André Hofschneider wollte ob des "Anfängerfehlers" keine gute Laune aufkommen...               Foto: berlinreporter.Obuchoff


Die Schlüsselszene in der die Unionkicker am vergangenen Sonnabend den Sieg aus der Hand gaben, könnte man als symbolisch für das Spiel der Köpenicker in dieser Saison bezeichnen. Einen eigentlich harmlosen in den Strafraum geschlagenen Ball versuchten sowohl Torhüter Daniel Mesenhöler als auch Toni Leistner unschädlich zu machen. Leider hatte der Verteidiger den Ruf seines Schlussmannes nicht gehört und so misslang der Rettungsversuch.
Der Ball kullerte dem Regensburger  Benedikt Gimber vor die Füße. Unions linker Verteidiger grätschte dann anstelle des Spielgeräts, den Gegner weg - Strafstoß.
Diese Chance lies sich Marvin Knoll nicht entgehen und setzte in der 89. Minute zum späten Ausgleich ins Tor und traf damit nicht nur Unions Trainer André Hofschneider, sondern auch die etwa 20 000 eisernen Unionfans auf den Rängen tief ins Herz.

Der so nahe...

Der Tag blieb ungenutzt. Von den Sandhausener Fans und Spielern gleichermaßen.
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Nutze den Tag – dieses Plakat hatten Freunde des Fußballsports aus Sandhausen oben auf der Haupttribüne des Stadions An der Alten Försterei aufgehängt. Genutzt haben den vergangenen Sonnabend dann eher die Hausherren. Denn die Eisernen Unioner schickten den SV Sandhausen mit 2:1 nach Hause.
Das sahen allerdings nur etwa zwei Dutzend Fans aus der Kurpfalz. Der Gästeblock war von den Gästen frei gegeben worden. Dort hatten sich dann einheimische Fans versammelt. Der selbsternannte Dorfklub aus Sandhausen hatte mit Mühe einen Bus mit eigenen Anhängern füllen können. „Ich weiß auch nicht, warum wir es nicht schaffen, mehr Leute für Auswärtsfahrten zu gewinnen“, sagte einer der unentwegten Sandhäuser Besucher. „Dabei ist gerade dieses Stadion in Berlin immer ein Erlebnis.“
Für Union war dieser Sieg – immerhin gegen den Tabellenfünften – sehr wichtig. Schließlich...

So sieht Freude aus! "Eiserner Karneval" geht auch ohne Kamelle...
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Sie kamen verkleidet als Prinzen, Scheichs oder Clowns. Eine große Banane schwebte über den Gästeblock . Aber der Aschermittwoch kam für die Freunde des Düsseldorfer Karnevals schon an diesem Sonnabend, spätestens als um 14.50 in der 95. Minute Uhr Steven Skrzybski das Spielgerät zum 3:1 Schlussergebnis ins Netz schob. Nun feierten die Eisernen – ihren ersten Sieg nach acht sieglosen Spielen – und noch eine Hauptperson, die gar nicht mitgespielt hatte: Damir Kreilach. Aber der Reihe nach.

Der vergangene Sonnabendnachmittag wurde so wie ihn die meisten auf den ausverkauften Rängen im Köpenicker Stadion An der Alten Försterei ersehnt hatten. Nach den vergangenen schwachen Spielen gingen die eisernen Hausherren wirklich eisern zur Sache. Und das gegen den Spitzenreiter aus Düsseldorf, der ja als Inkarnation des Ekelfußballs gilt. Trainer Friedhelm Funkel hat es geschafft, seine Angestellten als Zerstörer auszubilden, die oft mit nur mit einer Chance ein Match entscheiden. Tatsächlich schien das wieder zu gelingen, nachdem einer der Schienbeinquäler Fortunas Skrzybski in die Rasenfläche gerammt und die Gäste ihre einzige Chance im ganzen Spiel zum Führungstor nutzten. Normalerweise hätte dies...

Noch ist Stimmung gut - auch den bei eisernen Ladies...
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Ab kommender Woche beginnt für den 1. FC Union Berlin ein Art „Mission impossible”. Sieben Punkte trennen die Köpenicker Kicker von einem Aufstiegsrang.
Sieben Punkte beträgt aber auch der Vorsprung vor dem unteren Relegationsplatz. Das heißt: Mit Tabellenrang sechs wurde das Ziel bislang verfehlt. Der angepeilte Aufstieg ins Oberhaus des deutschen Fußballs ist nur noch mit fremder Hilfe möglich.

André Hofschneider – vor gut einem Monat als neuer Trainer der ersten Mannschaft installiert – sieht die die Chancen für einen Aufstieg am Ende der Saison nüchtern: „Ich glaube, man ist nach fünf Siegen nicht automatisch aufgestiegen und man ist nach drei Niederlagen nicht aus dem Rennen.“ Das Unioner Urgestein – im Verein Hofi genannt – hatte im Dezember die schwere Aufgabe übernommen, die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen. Nicht allein die unbefriedigende Platzierung war es, sondern vor allem die Stagnation in der spielerischen Entwicklung die für die Entlassung von Hofschneiders Vorgänger Jens Keller nach dem 16. Spieltag sorgte.
Hofschneider möchte der Mannschaft zu einem variableren Spiel verhelfen, das schwieriger ausrechenbar ist. Allein mit einem Fingerschnipsen ist das nicht zu erreichen. Der Spielfluss der Eisernen schien bereits gegen Ende der letzten Saison ziemlich angerostet. Etwa ab April  war Unions Spielweise von den Gegnern entschlüsselt und wichtige Punkte im Kampf um den Aufstieg wurden verloren.
Das von Keller geforderte...