Nur für Fans !?

   

Bei uns in der Redaktion sammelt sich so einiges an. Vor allem eine Flut von Presseinfos. Auch wenn das manchmal dramatische Ausmaße annimmt – wir brauchen sie. Und auch wenn viele davon versuchen, die Medien als kostenlose Reklame zu nutzen. Sei's drum. Wir sortieren das für Sie. Ist ja schließlich unsere Aufgabe.
Aber manchmal sind welche dabei, die mich nicht kalt lassen. Und so kam heute morgen bei mir auf Anhieb der Frühstückskaffee hoch, als ich las, dass Wolfgang Schäuble – ja richtig, der Bundesfinanzminister – am Sonntag, den 28. September von 18 Uhr an in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche predigen wird.
Wie jetzt? Will die Kirche dem Minister Dankbarkeit zeigen, dass...

der Staat so brav die Kirchensteuer eintreibt? War es nicht Jesus Christus, der die Geldwechsler aus dem Tempel getrieben hat? Steht nicht in der Bibel der kluge Satz „Ihr könnt nicht beiden zugleich dienen, Gott und dem Gelde“ ?
Von Freiheit will Schäuble predigen. Und davon, dass sie in vielen Regionen durch Krieg, Gewalt, Diktatur und Unterdrückung gefährdet ist. Lieber Herr Minister! Freiheit ist, wenn man vor nichts und niemandem Angst haben muss. Da hätte ich also ein paar bessere Vorschläge für Sie, als eine Predigt. Sie könnten zum Beispiel in diesem unseren Lande anfangen und vielen Menschen die Existenzangst nehmen und ihre Freiheit geben, indem Sie aufhören, Armut zu besteuern oder indem Sie genügend Mittel bereit stellen, um die Menschen aus dem Ghetto Jobcenter zu erlösen.
Das wären wirklich große Taten, größer als in Kirchen als Wanderprediger zu schwurbeln.
Aber so will bei mir der Brechreiz einfach nicht weggehen.

Jetzt will ich Sie in ihrer „heilen Kirchen-und-Finanz-Welt“ aber nicht weiter stören!
Bis denne – euer Sören.


PS: Über die Art der „Hofberichterstattung“ bestimmter Medien zum „Event“ dürfen jetzt schon Wetten abgeschlossen werden.

   
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