Redaktionspraktikant Sören über Gabriels Frust, Schulzens Lust und die "Merkeldämmerung"...


Es dämmert über dem Kanzleramt. Kann Merkel sich bei der Bundestagswahl im September noch einmal durchsetzen?
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Ja, sie hat endlich ausgeschwurbelt, die gute alte Tante SPD. Gefühlte Behelfsprogramme und Behelfsvorsitzende als Folgen der Schröder-Politik scheinen Vergangenheit zu sein. Martin Schulz will es richten - und er kann es richten. Und er hat auch Lust dazu.
Auf der Habenseite sind klare und verständliche Sprache, die nichts wegbeschwichtigt. Und er ist Wahlgewinner. Wie, jetzt schon? höre ich Euch fragen. Zugegebenermaßen ist das schon ein Weilchen her. Aber es bedeutet schon etwas, für die SPD in einer wichtigen Wahl runde 10 Prozentpunkte mehr als in der vorhergehenden Bundestagswahl zu holen. Man erinnert sich: Schulz hatte für seine Partei bei der Europawahl heftig zugelegt.
Und das trauen ihm die Deutschen jetzt auch im eigenen Land zu, wenn man den aktuellen Umfragen glauben darf.
Dass die anderen Parteien...

...sich anhören wie Angsthasen, die im dunklen Wald pfeifen und die Berliner Bundesjournaille erschreckt aufheult, dass ihre sicher geglaubten Kanzlerkandidaten-Prognosen und sonstige Stereotype hinüber sind, sie sich nun an einer vermeintlichen Stillosigkeit Gabriels abarbeitet und ihm Frust statt Erleichterung unterstellt, könnte am Ende nur bedeuten, dass wir unerwarteterweise jetzt doch die „Merkeldämmerung“ erleben...
Ausgemerkelt hat "Mutti" mit ihrer zerstrittenen CDU/CSU aber nur, wenn Schulz sein Ohr an der Schiene hat, die Sorgen und Nöte der Menschen tatsächlich für voll nimmt und machbare, wirksame und realistische Lösungen anbieten kann. Solche, die das vielbeschworene (Wahl-)Volk auch versteht und mitgeht. Nicht ganz einfach.
Ich behaupte trotzdem mal ganz leichtsinnig, dass der kampferprobte und überzeugte Europäer Martin Schulz als einer der wenigen in der Lage sein wird, nationale und europäische Interessen in Einklang zu bringen, wenn nicht gar das Land sozial zu befrieden und alte SPD-Fehler endgültig auszumerzen.
Und das angeblich fehlende innenpolitische Wissen? Sorry, nur blauäugige Politamateure und aufgeschreckte Funktionäre anderer Parteien behaupten ernsthaft, dass er in Brüssel und Straßburg nationale Problemstellungen nicht realisiert hat und in der Partei nicht an Lösungsansätzen mitgearbeitet hat.
Eins ist jedenfalls sicher: Wir werden einen der spannendsten Wahlkämpfe seit langer Zeit erleben.


So, jetzt will ich aber nicht weiter stören,
Viel Spaß dabei, wünscht euer Sören.

   
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