Blickpunkt 17. Januar: Haartrockner, Autos, Elektrotriebwagen, Lokomotiven, Flugzeuge, Kabel, Waschmaschinen, Herde, Fernseher, Plattenspieler, Autotelefone, Trams – das alles und noch viel mehr hat einmal zum „Bauchladen“ eines der größten deutschen Elektrokonzerne, der Allgemeine Elektricitäts-Gesellschaft, kurz AEG, gehört.
Und vielleicht war diese nahezu unüberschaubare Produktpalette am Ende auch der Grund für das Ende. Am 17.01.1996 fiel...

mit dem Beschluss des Aufsichtsrates nach 113 Jahren das „Todesurteil“ über den Konzern.
“Todesurteil? Welches Todesurteil?“ höre ich Sie jetzt möglicherweise fragen. Ich habe doch vorige Woche noch einen AEG-Staubsauger und im vorigen Jahr einen AEG-Fernseher, modernste Technologie, Flachbildschirm, gekauft.
Na klar, kein Problem! Wie das so ist bei bekannten, gut eingeführten Marken. Sie werden als erstes bei der „Resteverwertung“ verhökert. Denn schließlich will man ja Sprüche wie „AEG – Aus Erfahrung gut“ weiter benutzen.

Und auch deswegen ist die Marke AEG als Erfinder des ersten Waschvollautomaten „Lavamat“ (1958) weiter mit eben dieser Bezeichnung am Markt – jetzt allerdings unter der Regie von Electrolux, die ihrerseits wiederum eine Stiebel-Eltron-Tochter ist.
Die Schienenfahrzeuge gibt’s inzwischen von Bombardier, Ex-Daimler-Benz-Transportation/Adtranz.  AEG-Straßenbahnen fahren heute als „Neue Generation“ aus der Nachwendezeit in großer Zahl in Berlin im Liniendienst. Die Unterhaltungselektronik, Also Fernseher und Co sind bei einer Vertriebsgesellschaft gelandet, die wohl kaum selbst produziert, und so weiter, und so weiter.

Die Spuren des einstigen Berliner Elektrokonzerns finden sich in der Stadt vor allem in Form von Gebäuden. In Oberschöneweide die Kabelwerke Oberspree. (KWO) Ein Großteil heißt heute auch Rathenau-Hallen nach dem Gründer der AEG Emil Rathenau. Und selbst einen Rest der KWO in Form einer GmbH gibt es dort noch unter diesem Namen. Ehemalige Werksteile stehen auch noch im Wedding. Ein markantes Nachkriegsbürogebäude, bekannt als Telefunken-Hochhaus und heute von der TU genutzt, findet sich am Ernst-Reuter-Platz. Und wer hätte schon gedacht, dass das Kulterhaus „Tacheles“ in Berlin-Mitte einmal ein Schau- und Verkaufsgebäude der AEG war.

 

   
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