Blickpunkt 16. Januar: Kaum zu glauben, aber es gab Zeiten, da verstanden sich Berlin, der Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und die S-Bahn deutlich besser als heutzutage angesichts des anhaltenden S-Bahn-Stresses.
Der VBB war am 16. Januar 1998 gerade mal etwas mehr als ein Jahr alt und es herrschte noch Goldgräberstimmung in Berlin, auch was den öffentlichen Personennahverkehr anging.
Es galt, ein riesiges „Wiederaufforstungsprogramm“ zu stemmen. Sprich: viele zu DR-Zeiten aufgegebene Strecken mussten grundsaniert werden und gingen wieder ans Netz. So auch am 16.01.98 die Verbindung Richtung...


Spandau, von der das erste Teilstück (4,774 km) zwischen Westkreuz und Pichelsberg feierlich eröffnet wurde. (Der Rest nach Spandau folgte am 30. Dezember desselben Jahres.)
Damals konnten die „Granden“ des Nahverkehrs, Verkehrssenator Jürgen Klemann (CDU) und der damalige S-Bahn-Geschäftsführer Axel Nawrocki in bester Sektlaune mit der gerade mal zwei Jahre in Dienst stehenden Baureihe 481 den soeben sanierten Streckenabschnitt feierlich dem Verkehr zurückgeben; ein Abschnitt der insgesamt genau 8,92 Kilometern langen Linie, die vorher unter der Regie der Deutschen Reichsbahn (DR) der DDR bis  zum 28. September 1980 in Betrieb gewesen war.
Ja, richtig, die „481“ ist die Baureihe, die bis heute den Betrieb beeinträchtigt und zwischenzeitlich nahezu zum Erliegen brachte. Ein Fahrzeugtyp, der schon zur Ausmusterung ansteht und bis 2017 , gerade mal zwanzig Jahre alt, nach Möglichkeit ersetzt werden soll. Eine reife Leistung des High-Tech-Zeitalters, bedenkt man doch, dass der ET 165, der "Stadtbahner", fast siebzig Jahre klaglos im Dienst stand.
Und so war es der Baureihe 481 dann auch zu verdanken, dass 2009 die Linie von Westkreuz über Pichelsberg nach Spandau wieder stilllag – wenn auch vorübergehend.

   
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