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Comeback wie geschmiert: Herthas Berlinliga-Robben René... Foto: BAFPics Lehner


Hertha 03 kann Samstag gegen Wilmersdorf vorlegen +++ Bloß keine Blöße geben: Tasmania und Sparta vor Heimaufgaben +++ Keller-Krimi: Staaken - Füchse

Geschockt bis konsterniert vernahmen am vergangenen Sonntag die Mannschaften ab Platz 2 abwärts das Ergebnis des Spitzenreiters: bei eigentlich heimstarken Köpenickern gewann Hertha 03 zur Mittagszeit deutlich mit 5:0. So schwindet selbst bei den ebenfalls siegreichen Top-Teams der Berlin-Liga, dem SV Tasmania (aktuell 10 Punkte Rückstand bei einem Spiel weniger als H03) und dem SV Sparta (11 Punkte Rückstand), langsam die Hoffnung.
Welche Statistik man auch zu Rate zieht, der Tabellenführer aus Zehlendorf ist meistens vorne. Am deutlichsten wird die Dominanz vielleicht bei den Gegentoren: in dieser Hinsicht hat die Mannschaft von Trainer Timo Szumnarski schon zehn Einschläge weniger zu verzeichnen als die zweitbeste Abwehr der höchsten Berliner Spielklasse, die der BSV Eintracht Mahlsdorf (26 Gegentore) stellt. Und eine gute Defensive, das ist ebenso abgegriffen wie meistens wahr, gewinnt ja bekanntermaßen Meisterschaften.
Doch noch sind 12 Spiele zu spielen und 36 Punkte zu vergeben. Die 23. Runde führt dabei...

am Samstag bereits den FC Hertha 03 und den 1. FC Wilmersdorf zusammen. Über die Nr.1 der Liga braucht man nicht mehr viele Worte zu verlieren, selbst das Comeback von Torjäger René Robben läuft wie geschmiert: zuletzt beim KSC steuerte er gleich zwei Tore zum Kantersieg bei. Der Aufwärtstrend von Gegner Wilmersdorf (sechs Siege in Folge) bekam obendrein bei der Heimniederlage gegen Sparta zuletzt einen herben Dämpfer. Immerhin aber ist der 1. FCW eine Mannschaft, die weiß, wie man die „kleine Hertha“ besiegen kann: im Hinspiel am 9. Spieltag fügte man den 03ern im Volkspark die erste von bislang zwei Saisonniederlagen zu (damals war Niroumand der Schütze des goldenen Tores).

Gut möglich also, dass die „Verfolger“ am Sonntag in ihre Heimspiele mit dem Gefühl gehen müssen, Hertha 03 nicht noch weiter ziehen lassen zu müssen. Der SV Tasmania bekommt es an der heimischen Oderstraße dabei zum zweiten Mal in Folge mit einem Tabellenvierten zu tun. Letzte Woche wurde Stern 1900 bezwungen, diese Woche ist nun Eintracht Mahlsdorf zu Gast. Während sich die Steglitzer aber eher im Abwärtstrend befinden, geht die Tendenz beim BSV eindeutig nach oben.  Das Jahr 2014 (mit 5 Siegen und einer Niederlage) meint es wieder deutlich besser mit der Mannschaft von Sven Orbanke und Thorsten Boer, als es sich vor der Winterpause abzeichnete. Und auch Torjäger Christoph Zorn trifft wieder – mit zwei Elfmetertoren am Sonntag schloss er sogar zu den Top-Schützen Robben und Michael Fuß (alle 19 Treffer) auf. Tasmania dagegen muss seine Siegesserie zumindest erst mal bis Ostermontag – da findet das Nachholspiel bei Makkabi statt – fortsetzen, um dann zu sehen, was nach vorne noch geht. Beeindruckend ist die Serie von acht Siegen in Folge allemal, sie forderte aber auch ihren Tribut: Trainer Abou Njie musste zuletzt einige Stammspieler ersetzen. Dazu fehlt der gesperrte Emre Demir, der bislang Tasmanias bester Schütze ist. Übrigens fügten die Neuköllner in der Hinrunde der Eintracht ebenfalls die erste Saisonniederlage zu (Torschützen: Demir und Kevin Gempf) – nur, dass die Mahlsdorfer im Gegensatz zu Hertha 03 gleich sieben weitere Pleiten folgen ließen…

Der SV Sparta steht gegen den SV Empor vor einer Pflichtaufgabe – so weit bei einem drittplatzierten Aufsteiger von derlei die Rede sein kann. Zuletzt ging es bei den Lichtenbergern dabei ganz schön auf und ab, doch dann sorgt die Mannschaft von Trainer Dragan Kostic immer wieder mal für einen Paukenschlag. So, wie beim 4:2 Sieg in Wilmersdorf am vergangenen Spieltag. Auch wenn man mit dem Aufstieg wohl nichts mehr zu tun hat, gilt es nun, den hervorragenden Eindruck dieser Spielzeit im letzten Drittel nicht zu verspielen. Der SV Empor wähnte sich dagegen – nach zwei Siegen über Mitstreiter in der Abstiegszone - schon in ruhigen Gefilden. Die glatte Heimniederlage gegen den BSC und die Siege der Konkurrenz am 22. Spieltag lassen aber nun auch an der Cantianstraße wieder die Sorgenfalten in Erscheinung treten.

Das Duell um den "Platz über dem Strich" in der Abstiegszone bestreiten seit Wochen der  SC Staaken und die Füchse Berlin. Entscheidend absetzen konnten sie sich dabei nicht voneinander – selbst, als die Füchse zuletzt den ersten Sieg nach sechs Niederlagen feiern konnten, konterten die Staakener mit einem Auswärtssieg in Rudow. Nun treffen beide Mannschaften im Sportpark des SCS aufeinander. Einen besseren Zeitpunkt für die Reinickendorfer, ihre bescheidene Auswärtsbilanz (5 Zähler in 11 Gastspielen) auf Vordermann zu bringen, gibt es wohl nicht. Bei einem Erfolgserlebnis würde die Mannschaft von Trainer Markus Zschiesche den Anschluss zu weiteren Klubs herstellen und so die Chance auf den Klassenerhalt deutlich erhöhen. Dem SC Staaken könnte seinerseits mit einem Sieg ein Sprung vom schon gepachteten ersten Nichtabstiegsplatz bis auf Rang 11 gelingen.

Doch nicht nur Staaken und die Füchse gewannen im Tabellenkeller am letzten Spieltag. Auch Schlusslicht TuS Makkabi ließ aufhorchen mit einem 5:0-Sieg beim Nordberliner SC. Dumm nur, dass der Abstand dadurch nicht verkürzt werden konnte - wenn man eben hinten drin steht... Zudem erwartet die Charlottenburger nun mit dem Auswärtsspiel beim SFC Stern 1900 eine noch höhere Hürde, auch wenn die Steglitzer in der Rückrunde nur einen Sieg verzeichnen konnten und man damit die Aufstiegsfrage an der Kreuznacher Straße endgültig ad acta legen kann.

Kaum zu glauben auch das 2:0 des VfB Hermsdorf zuletzt bei TeBe. Die Mannschaft aus dem Norden Berlins gewann dabei nicht nur ihr erstes Spiel nach fünf Niederlagen, man fügte den Veilchen auch die erste Heimniederlage der Saison zu und  blieb dabei - man höre und staune - nach 30 Spielen erstmals wieder ohne Gegentor. Wenn einem so viel Gutes bei einem einzigen Sieg widerfährt, möchte man doch gleich noch einen einfahren. Gegner TSV Rudow hat jedoch inzwischen auswärts mehr Punkte eingefahren als daheim und wäre nach dem Gesetz der eigenen Serie, nach dem sich Sieg und Niederlage mit beinahe schöner Regelmäßigkeit abwechseln, wieder mit einem Dreier an der Reihe.

Zwei Verlierer der vergangenen Spielrunde treffen schließlich zum Abschluss des 23. Spieltags aufeinander, wenn SF Johannisthal gegen Tennis Borussia antritt. Nach viel versprechendem Rückrundenauftakt hat der Aufsteiger offenbar schon wieder den Faden verloren und büßte dabei zuletzt drei Punkte zum rettenden Ufer ein.  Bei TeBe scheint dagegen die Niederlage im Spitzenspiel vor 4 Wochen bei Hertha 03 doch tiefer zu sitzen als zunächst angenommen. Waren die Aufstiegsambitionen im Eichkamp damals schon gehörig gestutzt worden, so gaben die Veilchen ihnen anschließend vor allem in den Partien gegen die Abstiegskandidaten Staaken (3:3) und Hermsdorf (0:2) endgültig den Rest. Eine gute Platzierung ist zwar nach wie vor drin, doch dafür müssen die Charlottenburger schnell wieder in die Spur finden. Ein Sieg in Johannisthal würde da zweifelsohne gut tun. Ein Selbstläufer aber wird das für die Mannschaft von Trainer Markus Schatte nicht - auch, weil man ihr ja ein Problem mit Kunstrasenplätzen wie z. B. am Segelfliegerdamm nachsagt.

In weiteren Partien treffen u. a. der Berliner SC, auf Platz 10 jenseits von Gut und Böse, und der Nordberliner SC aufeinander. Der Aufsteiger sieht sich, nach einem unverhofften Auswärtssieg bei Stern 1900 und dem darauf folgenden Debakel zuhause gegen den Tabellenletzten Makkabi, zu seinem Leidwesen weiterhin dem nagenden Zweifel am Klassenerhalt ausgesetzt.

Der SC Gatow wiederum hat seine momentan beispiellose Negativserie zuletzt bei den Füchsen fortgesetzt - acht Niederlagen und ein Unentschieden stehen da jetzt schon zu Buche. Möglich also, dass der Gegner Köpenicker SC der schmerzhaften Wunde aus der Heimpleite gegen Hertha 03 zumindest ein Trostpflaster verabreichen kann.

Der 23. Spieltag der Berlin-Liga im Überblick:

Samstag
Berliner SC (10.) - Nordberliner SC (12.)   14 Uhr, Hubertusallee
Hertha 03 (1.) - 1. FC Wilmersdorf (7.)  14 Uhr Ernst-Reuter-Sportfeld
SFC Stern 1900 (6.) - TuS Makkabi (18.)  14.30 Uhr, Kreuznacher Straße

Sonntag
SV Sparta (3.) - SV Empor (11.)  14 Uhr, Fischerstraße
SV Tasmania (2.) - Eintracht Mahlsdorf (4.)  14 Uhr, Werner-Seelenbinder-Sportpark
VfB Hermsdorf (14.) - TSV Rudow (9.)  14 Uhr, Seebadstraße
SC Staaken (15.) - Füchse Berlin (16.)  14 Uhr, Sportpark Staaken
SC Gatow (13.) - Köpenicker SC (8.)  14 Uhr, Sportplatz Gatow
SF Johannisthal (17.) - Tennis Borussia (5.)  14.30 Uhr, Segelfliegerdamm