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In dieser kleinen Serie gibt’s von mir den etwas anderen Ausflugstipp. So toll wie möglich, so preiswert wie möglich – abseits des Mainstreams. Nur falls ihr noch nicht wisst, was ihr diesen oder an einem der kommenden Sonntage unternehmen sollt.
Diesmal: Mit der Woltersdorfer Tram zur Woltersdorfer Schleuse.

Kaum zu glauben. Es gibt Bahn-Museumsstücke, die immer noch im Dienst sind. Nö, nicht auf Sonderfahrten, sondern im Plandienst. Glauben Sie nicht? Na dann fahren Se mal mit der S-Bahn-Linie 3 in Richtung Erkner und steigen in Rahnsdorf aus!
Ein paar Schritte – und ich stehe vor so einem blau-beigen, neuwertigen Prachtstück. Der zweiachsige Wagen Nr 32, Baujahr 1960 der Woltersdorfer Straßenbahn steht bereit, mich zur Schleuse zwischen Flaken- und Kalksee zu bringen. Also, nüscht wi rin, in die Holzklasse! Gut, die Sitze...


sind mit Polstern bezogen, aber sonst hat sich praktisch nichts in der historischen Tram verändert. Holz und Metall dominieren die Einrichtung, eine schrille Glocke signalisiert die Abfahrt und rumpelnd und quietschend setzt sich der Einmannwagen im Dienste des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg in Bewegung.
In der kilometerlangen Waldpassage nach Woltersdorf schauen Wildschweine und Rehe nur gelangweilt auf, wenn das polternde Monstrum aus einer anderen Zeit zur Hochform aufläuft. Freie Fahrt zwischen Bäumen – für den „Forst-ICE“! Die Waldbewohner haben sich an das Gefährt gewöhnt. 5,6 Kilometer, 10 Haltestellen und eine Zugkreuzung auf der eingleisigen Strecke weiter rollt der „Gotha LEW“ an der Woltersdorfer Schleuse aus, in der ein polnischer Frachter vom Flaken- zum Kalksee „hochklettert“, um später bei der Rüdersdorfer Kalkgrube zu laden.
Der Bootsparkplatz am Pavillon ist im April noch verwaist, aber alle sechs „Kneipen“ sind geöffnet und – gut besucht. Ich entscheide mich für die „Flakensee-Terrassen“ im Blockhaus mit Seeblick, freue mich über die freundliche, „süße Bedienung“ über ein ebenso süßes Stück Erdbeertorte und den leckeren Kaffee.
Danach darf der Verdauungsspaziergang am Seeufer nicht fehlen. Ganz Verwegene kraxeln über die Kranichberge am Kalksee entlang. Für mich wär’ das nix. Der Ausflug nach Woltersdorf aber schon. Soviel Technik im Einklang mit der Natur war mir die sechs Euro schon wert.
Sechs Euro? Ja, sechs Euro! Zwei Anschlussfahrscheine für den Tarifbereich C zu 1,50 (Ich hab’ ne’ Monatskarte AB!) und das leckere Erdbeerkuchen-Gedeck zu 3 Euro in den „Flakensee-Terrassen“.
Soviel schön für sowenig Knete. Genau richtig für arme Praktikanten. Und die Nummer von der „Süßen“ aus den Terrassen hab' ich auch.

So, jetzt will ich nicht weiter stören!

Einfach mal ausprobieren, empfiehlt euer Sören!
www.woltersdorfer-strassenbahn.de





Bild 1: Volle Fahrt im Wald: Woltersdorfer Tram, Wagen 32
Bild 2: Holz und Metall dominieren die Wagen innen.
Bild 3: Polnischer Frachter in der Woltersdorfer Schleuse.
Bild 4: Noch ist der Bootsparkplatz am Pavillon verwaist.

Bild 5: Zugbrücke hoch! Der Frachter verlässt die Schleuse Richtung Kalksee.
Fotos: SirPress Haehnel