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Schach geht auch "ganz klein": Im Rahmenprogramm starteten die Mädchen.
Foto: Lißner


Stille. Menschen auf Stühlen, die anderen Menschen auf Stühlen beim Denken zusehen. Ein Beamer wirft ein Abbild von zwei Schachstellungen an die weiße Wand des fast überwarmen Saales. Niemand redet laut, es wird höchstens geflüstert. Und das soll spannend sein?
Ganz klar ja, antworten emphatisch die zahlreichen Anwesenden bei der inzwischen schon zum 8. Mal ausgetragenen Damen-Schachgala des Neuen Deutschland.
Das bewährte Konzept: vier Schachspielerinnen der Weltklasse treffen aufeinander, angeführt von der Berliner Großmeisterin Elisabeth Pähtz (28). Außerdem am Start die Vorjahressiegerin, die amtierende russische und Europameisterin Valentina Gunina (24), Marta Michna (35) aus Hamburg und die Norwegerin Silje Bjerke (31) aus Tromsø. Moment, Norwegen, Tromsø, war da nicht was? Richtig, Magnus Carlsen ist schließlich jüngst erst überzeugend Schachweltmeister geworden gegen den Inder Visvanathan Anand und spielte in seiner Jugend im...

selben Schachverein wie Silje Bjerke. Und der Spezialist weiß: Im August 2014 ist Tromsø der Austragungsort der nächsten Schacholympiade. Offenkundig sind die langen, dunklen Winter, aber ebenso langen Sommer zumindest nicht schädlich für die Entwicklung von großem Schachtalent.
Hier in Berlin, auch kalt und dunkel, standen Schnellpartien auf dem Programm. Zuerst in einer Vorrunde. Jede gegen jede. Hier gewann Gunina alle drei Partien, auch gegen Elisabeth „Elli“ Pähtz, die eher unglücklich verlor und Zweite der Vorrunde wurde. Auf Rang drei Marta Michna, die ehemals polnische und jetzt deutsche Nationalspielerin, gefolgt von Bjerke auf dem vierten Vorrundenplatz. Für die Endrunde ergab dies die Ansetzungen Michna-Bjerke um Platz drei und im Finale Gunina-Pähtz. Jeweils einmal mit Weiß und Schwarz bei 15 Minuten Bedenkzeit. Bis es soweit war, durften ein erfolgreicher Schach-Problemlöser und die Siegerin des Mädchenturniers aus dem Rahmenprogramm gegen zwei der  Weltklassespielerinnen Fünf-Minuten-Blitzpartien spielen, hielten sich achtbar, waren natürlich aber unterlegen.

Und passend zum Norwegen-Thema der Veranstaltung wurde das schon den Wikingern bekannte Spiel Hnefatafl vorgestellt. (Siehe unseren Bericht!)

Bei Anwesenheit des amtierenden Internet-Weltmeisters Arne Roland (19), schachlich beim VfB Hermsdorf aktiv, und des Berliner Skandinavistik-Professors Kjetil Jakobsen (kurioserweise sogar aus Tromsø), quasi dem norwegischen Kulturbotschafter bei der Veranstaltung, trugen Silje Bjerke und der Verlagsleiter des Neuen Deutschland, Olaf Koppe, einen Showkampf aus, der die Schachzuschauer sehr begeisterte.
Ganz zum Schluss schwang sich dann Professor Jakobsen sogar noch zum "Herausforderer" des Weltmeisters aus Berlin auf, gewann sogar einmal, bevor ihm Roland seine Grenzen aufzeigte.

Zurück zum Schachgeschehen: Um den Bronzeplatz setzte sich Marta Michna letztlich sicher durch. Im Match um Gold wurde sehr dynamisches, modernes, auch taktisch betontes Schach geboten. Partie Eins sah eigentlich "Elli" Pähtz lange Zeit mit der besseren Stellung, die sie dann aber Stück für Stück verspielte und am Ende die Partie sogar verlor. Auch Partie zwei sah nach einem klaren Sieg für die Berliner Großmeisterin aus, die einen Bauern gewann, dann aber das Endspiel nicht zum Sieg führen konnte, sondern nur ein Remis erreichte. Somit stand Valentina Gunina wie im Vorjahr als Siegerin fest. Nach dem Match wollte Pähtz nur Guninas Glück als Grund für ihre eigene Niederlage anführen. Das ist aber wohl nur ein Teil der Wahrheit. Zähigkeit in der Verteidigung ist schließlich auch eine Qualität, nicht zu vergessen auch die recht geringe Bedenkzeit - aber das gilt ja immer für beide Spielerinnen. Gunina führte Ihren Triumph auf ihr im Vergleich höheres Trainingspensum zurück, schließlich sei sie Vollzeitprofi.

Wie auch immer, auch diese Ausgabe der Damen-Schachgala zog wieder die Berliner Schachwelt an, bot Weltklasseschach bei freiem Eintritt, großmeisterliche Kommentierung im Nebenraum durch GM Thomas Pähtz, ein schönes Rahmenprogramm und originelle Ideen wie das "Wikingerschach", machte, kurz gesagt, Appetit auf die neunte und in zwei Jahren die Jubiläumsausgabe.