Trutzburg? Die Mittelpunktbibliothek in Köpenicks Altstadt.
Fotos: SirPress Haehnel


 

 

Ende 2008 wurde in Köpenick die neue Mittelpunktbibliothek eröffnet. In der historischen Altstadt schließt sich ein Neubau an das schon länger bestehende Verwaltungs-Gebäude an. Der Bund Deutscher Architekten Berlin hat das Ensemble mit einem Preis ausgezeichnet.

Ich bin vor gut einem Jahr nach Köpenick gezogen und habe mich sofort nach der örtlichen Bibliothek umgesehen. Am Alten Markt angekommen, stand ich vor einem massiven Backstein-Klotz mit wenigen, tief in der Fassade liegenden Fenstern. Mein erster Eindruck war der einer Trutzburg – einladend ist dieses Gebäude nicht!

Dieser erste Eindruck bestätigte sich leider noch, als ich den Eingang suchte – ich habe das Gebäude mehrmals langsam umrundet, bis ich ihn endlich fand. Tief in die Fassade eingelassen, tiefer noch als die Fenster. Eine graue Metall-Tür ohne Klinke. Durch eine Lichtschranke gesteuert, schwingt diese sehr massive Tür nach außen auf, wenn man endlich nah genug herantritt. Dann ist man aber immer noch nicht in der Bibliothek, sondern steht in einem Durchgang – vor der nächsten massiven Metalltür!

Aber endlich ist auch dieser Schreck...


überwunden und der Lesehungrige ist „drin“. Und steht in einem recht dämmrigen, länglichen Flur, der mit abschließbaren Boxen für die mitgebrachten Taschen vollgestellt. Ist.

Dann, nach der Überwindung so vieler Hürden, kommt eine Bibliothekarin hinter einem Tresen in Sicht, und auch die ersten Bücher rücken ins Blickfeld.
Ich lese viel und gerne und bin deshalb an allein meinen Wohnorten schon seit meiner Kindheit eifrige Bibliotheks-Nutzerin gewesen. Nicht nur in Berlin kenne ich mittlerweile viele Bibliotheken – alte und neue. Aber bisher ist es mir noch nie so schwer gemacht worden, ins Innere vorzudringen.

Eine öffentliche Bibliothek sollte schon von außen einladend sein. Wenn hinter großen Fensterflächen das Treiben an den Buchregalen zu beobachten ist, kommt vielleicht auch mal jemand rein, der einfach neugierig geworden  ist.

Unverzichtbar sind aber auf jeden Fall große gläserne Türen und ein offener, freundlicher Empfangsbereich. Wirklich schade – in Berlins jüngstem Bibliotheks-Bau versteckt sich das Lesevergnügen hinter dicken Mauern und eisernen Türen.

   
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